Was mich im Yoga (be)hindert – Trägheit

Das zweiter Hindernis (antarayah, das erste ist die Krankheit, vyadhi) im Yogaweg beschreibt Patanjali als styana, was wir wohl am treffendsten als Trägheit, aber auch Stumpfsinn oder Mangel an Interesse übersetzen können.

spiegelungEs ist eine Schwere des Geistes, die uns oft genug die Energie fehlen läßt ständig wach und bewußt zu sein. Wenn man sich selbst beobachtet – eine der spannendsten Übungen im Yoga überhaupt – dann kennt man die Stimmungsschwankungen, denen man selbst unterworfen ist. Es gibt Zeiten, da geht es einem gut und man kann so richtig Gas geben. In solchen Zeiten scheint so gut wie kein Ziel unerreichbar. In anderen Zeiten ist man schlapp, fühlt sich schwer und bekommt seinen Hintern nicht hoch. In solchen Situationen scheint jegliche Motivation abhanden gekommen zu sein. Diese geistige Schwere ist es, die das Sanskritwort styana umschreibt.

In der Vorstellung der Yogis besitzt alles, sowohl in der materiellen als auch in der psychischen Welt, drei Grundeigenschaften, die gunas. Die drei gunas sind vielen Yogaschülern bekannt, denn sie werden oft gelehrt. Hier betrachte ich sie vereinfachend als passiv (tamas), aktiv (rajas) und im idealen Ausgleich (sattva). Alles besitzt diese drei gunas in unterschiedlichen Anteilen und wenn aktive und passive Anteile ideal gleich gewichtet sind, kann sich der Ausgleich voll entfalten.

guna-waage

Bin ich im Zustand der Trägheit (styana), dann überwiegt tamas, also die passiven Anteile der gunas.

An mein styana, meine Trägheit, bin ich gerade wieder erinnert worden, als sich ein lieber Yogalehrer, bei dem ich einige Zeit praktiziert hatte, wieder bei mir meldete. Ich habe seine Stunden sehr gemocht, weil sie körperbetonter als mein eigener Stil sind, ohne dass er den meditativen Grundcharakter des Praktizierens verläßt. Nachdem ich eine Zeit aus Terminproblemen nicht an seinen Stunden teilnehmen konnte, konnte ich mich nicht mehr zu Stunden bei ihm aufraffen. Die Trägheit hatte also gewonnen, einen anderen Grund hatte das Fernbleiben von seinen Stunden nämlich nicht.

Im Yoga unterscheidet man nicht so stark zwischen der körperlichen und geistigen Ebene, wie wir das mit unserem westlichen Hintergrund zu tun pflegen. Physis und Psyche gehören im Yoga schon immer zusammen, was unsere westliche Medizin gerade erst beginnt in der Tiefe auszuloten. Aus diesem Grund gehören Krankheit (vyadhi) und Trägheit (styana) zu den physischen Hindernissen im Yoga. Entsprechend empfehlen einige Kommentatoren der Yogasutren des Patanjali übrigens die Trägheit etwa durch richtiges Essen zu überwinden. Nicht weit her, wenn man sich selbst nach einem all zu üppigen Essen beobachtet. Überhaupt soll man ermüdende und seine Energie vergeudende Tätigkeiten vermeiden. Unsere eigenen Alltagserfahrung lehrt auch, dass man träge Zustände auch geistiger Art besser überwindet, wenn man sich bewegt.

Praktische Tipps zur Überwindung der Hindernisse im Yoga werden aber noch nach dem Vorstellen der Hindernisse gegeben.

Übersicht über alle Beiträge zu den Hindernissen im Yoga:

  1. 1. Krankheit
  2. 2. Trägheit
  3. 3. lähmender Zweifel
  4. 4. die mentalen Hindernisse
  5. 5. Hindernisse des Intellekts
  6. 6. spirituelle Hindernisse
  7. 7. Übersicht

foto: Jürgen Acker / pixelio.de, graphik: bf

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  1. Janaki on

    Om Bernd, hier eine Frage. Wenn jemand voller Freude seine Asanas macht und sich dann nach einer Yogastunde matt, schlapp fühlt, Muskelkater hat( direkt nach der Stunde )allen anderen geht es Bestens..
    Wo ist da die Ursache oder der Fehler ?

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  6. Hallo Dori, dann wünsche ich Dir viel Freude an deiner Praxis. Die eigene Trägheit zu überwinden macht mir – wenn ich mich dann überwunden habe – immer besonders viel Spass. Gute Besserung für den Rücken. Bernd

  7. Lieber Bernd,
    ich befinde mich schon seit einigen Wochen im „styana“. Angefangen hat alles mit den ständigen Regengüssen und den dunklen Wolken und meiner daraus resultierenden Müdigkeit?
    Aus der Unbeweglichkeit heraus habe ich nun wieder meine „alten“ Rückenschmerzen, gegen die nichts hilft außer Bewegung.
    Aber um mich zu bewegen, bin ich zu träge….
    So, für heute habe ich mir aber fest vorgenommen, wieder mit meinen Yoga-Übungen anzufangen. Drück mal die
    Daumen.
    Lieben Gruß,
    Dori

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