Achtsamkeit – Nicht-Greifen (5. Beitrag)
05.06.2007 von Bernd Franzen
Nach der Übung des Vertrauens ist
Nicht-Greifen
der fünfte Grundpfeiler der Achtsamkeit.
Nicht Beurteilen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen sind Haltungen, die man sich durchaus auch außerhalb von Meditationen vorstellen kann. Beim “Nicht-Greifen” fällt es mir (noch?) schwer dies außerhalb der Mediation zu üben.
Es geht darum keinem Ziel zu folgen. Die Idee dahinter ist: Greift man zu sehr nach einem Ziel, schränkt das die Wahrnehmungen und Möglichkeiten ein. Man ist nicht in der Lage die Wege und Möglichkeiten völlig zu übersehen. Im Bestreben ein Ziel zu erreichen legt man sich sozusagen schon auf den Weg fest, weil man den Blick für Alternativen nicht frei hat.
Wir sind vermutlich alle darauf programmiert uns Ziele zu setzen, sie im Fokus zu halten und die Hindernisse auf dem Weg dahin aus dem Weg zu räumen. Die Idee des Nicht-Greifens widerspricht unserem Alltagsdenken völlig. Und das macht das Üben schwierig.
Geht man in eine Achtsamkeitsmeditation soll man sich von Erwartungen lösen. Das Bestreben geht dahin, sein eigenes Greifen nach einem bestimmten Ergebnis zu erkennen und sich davon zu lösen. In der Übung ist es so wie es jetzt gerade ist, ok. Fühle ich mich gut ist es genau so gut wie wenn ich mich unwohl fühle.
Wer sich einmal mit Meditation versucht hat kennt es ganz sicher. Die Gedanken gehen spazieren. Sie beschäftigen sich mit Bildern oder Ideen. Das kann man nicht verhindern. Kommt der Gedanke: “Was koche ich gleich?”, dann heißt Nicht-Greifen, dass ich den Gedanken zwar wahrnehme, aber ihn auch wieder gehen lasse. Ich versuche also den Gedanken, was im Kühlschrank ist und was ich daraus machen könnte, erst gar nicht aufkommen zu lassen. Ich versuche wieder zurückzukommen zum jetzigen Augenblick und ihn zu erfahren.
Wenn ich nicht nach einem Ziel greife, so lasse ich der Gegenwart, dem Punkt an dem ich jetzt bin, eine Chance. Dann ist meine Aufmerksamkeit, meine Achtsamkeit ganz im Jetzt.
Eine schöne Aufgabe.

Wer eine praktische Meditationsanleitung vermissen sollte: Ich binde meine Vorstellungen im Geist an einen Luftballon und lasse ihn in den Himmel steigen. So stiegen die Vorstellungen in die Höhe und zurück bleibt der leere Himmel.
… manchmal jedenfalls.
fotos: Daniel Kummetz; Michael Bührke; Thomas Max Müller / pixelio.de
Alle Beiträge dieser Reihe:
Übersicht – 1 – Nicht-Beurteilen – 2 – Geduld – 3 – den Geist des Anfängers bewahren – 4 – Vertrauen – 5 – Nicht-Greifen – 6 – Akzeptanz – 7 – Loslassen
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[...] Nach dem schwierigen Thema des Nicht-Greifens geht es weiter mit einem eher fassbaren Thema. [...]
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