Achtsamkeit – Geduld üben (2. Beitrag)

Alltags-BluemchenDer zweite Grundpfeiler nach ‚Nicht-Beurteilen‚ in der Achtsamkeit ist schlicht die

Geduld

Geistige Prozesse brauchen ihre Zeit, ihren Rhythmus .

Wir alle kennen vermutlich den ‚Heureka-Effekt‘. „Hurra, ich habe es begriffen“, möchte man manchmal ausrufen. Ein Knoten der Erkenntnis ist geplatzt, ein Problem ist durchschaut, ein kniffliges Problem ist gelöst.

schale-mit-steinenAlso geht Erkennen schnell? Offenbar nicht, denn solche Effekte stellen sich ein, wenn man ein Problem längere Zeit gewälzt hat. Der eventuelle Erkenntnisschub stellt sich ein, wenn die Zeit dafür reif ist. Nicht vorher. Alles muss passen, dann geht „Heureka“.

Wenn ich also mal wieder glaube ganz schnell eine Lösung zu brauchen, dann muß ich mich an die Geduld erinnern.

In der Achtsamkeitsmeditation – und damit mitten im Alltag – ist Geduld ein ganz wichtiges Werkzeug. Man übt ein Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln. Seine Ungeduld mit sich selber wahrnehmen ist der Schlüssel dafür die Geduld aufzubringen, bis ein Entwicklungsprozess in seiner Zeit zum Ende kommt.

Diese beobachtende Geduld ist etwas ganz aktives . Sie fordert Entscheidungskraft zu entwickeln: „Wann muß ich aktiv werden, und wann ist es angemessen nicht zu handeln?“

Zu theoretisch?

Ich hatte mich anfangs immer gefragt, warum meine Yogalehrerausbildung vier Jahre dauern soll. Die Theorie zu lernen, ein paar Asana zu üben um sie unterrichten zu können dauert doch keine vier Jahre.

yoga-pose

Jetzt weiß ich es. Theorie zu lernen geht vielleicht schnell – sie zu begreifen und zu einer inneren Haltung weiter zu entwickeln braucht Zeit. Um aus gymnastischen Körperübungen Asana zu machen, Körperhaltungen, die aus dem Gefühl heraus das Gefühl selbst ausdrücken, braucht es auch Zeit. Lebenslange Zeit.

Nun kann man nicht warten bis ans eigene Ende, wenn man Yogalehrer werden möchte. Aber die Geduld aufbringen, bis man ein gutes Stück Weg zurückgelegt hat, muß man schon.

gras-im-steinIn der geistigen Entwicklung gibt es kein „Herr schenke mir Geduld – sofort!“. Wenn wir das begreifen, rücken wir der Achtsamkeit ein riesen Stück näher.

Die Erkenntnis über die Wichtigkeit der Geduld ist weder neu, noch yogisch, noch buddhistisch sondern eher allgemein und findet sich wohl in allen Weisheitsbüchern der Weltgeschichte. Die Bibel (Kohelet 3,1) sagt „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“. Und in Vers 9 heißt es weiter: „Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon“.

Denn alles hat seine Zeit. Haben wir die Geduld dazu 🙂

fotos: motograf / pixelio.de; afhunta / stockxpert.de; Andreas Mäsing / pixelio.de
Alle Beiträge dieser Reihe:
Übersicht – 1 – Nicht-Beurteilen – 2 – Geduld – 3 – den Geist des Anfängers bewahren – 4 – Vertrauen – 5 – Nicht-Greifen – 6 – Akzeptanz – 7 – Loslassen


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  1. Hallo,
    schöner Artikel zum Thema „Achtsamkeit“. Zum selben Thema habe ich gerade einen längeren Blog-Beitrag geschrieben. Hier geht es vor allem um die Anwendung der Achtsamkeit, um den inneren „Autopiloten“ vorübergehend auszuschalten und so den selbstgemachten Stress zu erkennen und abzubauen.
    Vielleicht interessiert es Sie ja.

  2. Pingback:“Im Alltag leben” - Blog » Blog Archive » Achtsamkeit - Vertrauen (4. Beitrag)

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  8. Geduld zu haben, warten zu können… ich denke, das ist in unserer ungeduldigen Zeit zu einem Problem geworden.

    Wir müssen ja auf nichts mehr warten. Osterhasen gibt es kurz nach Weihnachten, Erdbeeren werden bereits im April angeboten und die Frühjahrsmode gibt’s
    sofort nach dem Winterschlußverkauf. Bestimmt gäbe es noch mehr Beispiele.

    Du zitierst einen Bibelspruch. Ich hab‘ auch einen:

    „Wer liebt, hat Geduld“

    heißt es im Hohelied der Liebe im 1. Korinterbrief. Geduld haben mit dem, was in Ruhe heranwachsen will heißt: Es wirklich zu lieben. Es können Blumen sein, es können auch Kinder sein, es können Gefühle, Gedanken oder sogar eine Geschäftsidee sein.

    Wenn wir nur auf das schauen, was als nächstes sein wird, bleibt uns vieles von dem, was sich jetzt entfaltet, verborgen.

    In diesem Sinne, genießen wir in Ruhe den Augenblick und das, was er uns bringt.

    Vielen Dank für diesen Beitrag und ein schönes, hoffentlich auch sonniges Wochenende wünscht dir und deinen Lesern

    Christa

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