Dem Weg des Herzens folgen – ein Männerthema?

herz-in-rindeDem Weg des Herzens zu folgen bedeutet zulassen, dass das Gefühl der Freundlichkeit unser Leben durchdringt.

(nach Jack Kornfield)

Letzte Woche schrieb mir jemand, er wäre erstaunt gewesen, dass die Alltagsseiten von einem Mann stammen. Da ich keine Probleme mit meinem Rollenverständnis habe, kann ich das durchaus als Kompliment aufgefassen. Zumal ich am selben Tag auf eine Veranstaltung eingeladen war, in der es darum ging Wege zu finden, wie man Männern in der Gesundheitsselbsthilfe fördern kann.

Eigentlich eine ganz erheiternde Vorstellung? – Männer als förderwürdige Gruppe?

Ich bin mir durchaus nicht sicher und bin theoretisch nicht sooo tief im Thema, auch wenn es mir im Moment in verschiedenen Bereichen ständig über den Weg läuft. Yoga und Männer ist allerdings ein Dauerthema, das immer mal wieder hoch kommt. Insoweit lohnt es, das Thema etwas zu vertiefen.

Typisch männlich, typisch weiblich? Ich denke wenn es um Entspannung, Yoga und Meditation geht, sind diese Begriffe nicht wirklich treffend. Es geht immer darum den Dingen auf Grund zu gehen und sie so zu sehen, wie sie wirklich sind. Allerdings ist der Zugang zu diesen Dingen etwas, was Männern möglicherweise schwerer fällt. Im Moment liegt Jack Kornfields „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens“ auf meinem Schreibtisch. Ein Buch, dass mich ab jetzt sicher noch längere Zeit begleiten wird, weil ich in der Biographie des Autors ein paar Parallelen zu meinen eigenen Bemühungen sehe.

Möglicherweise liegt im zitierten Gedanken ein Teil der Antwort, warum sich der E-Mailschreiber wunderte, dass diese Seiten von einem Mann stammen. Die Begrifflichkeiten, die hier auf den Seiten benutzt werden, habe selten etwas mit Leistung, Kräftemessen, Rangordnung, Macht und anderen Dingen zu tun, die man eher der männlichen „Sphäre“ zuordnet. Eher geht es darum, zu einem anderen Umgang mit diesen Begriffen zu finden.

In Zukunft werde ich mir auch weiterhin keine übertriebenen Gedanken über geschlechtsspezifische Rollen machen. „Männer“ halte ich auch nicht für eine besonders förderungsfähigewürdige Gruppe. Es werden sich nur die Menschen dauerhaft um die Themen hier bemühen, denen es ein echtes Anliegen ist. Das Bedürfnis nach Entspannung, Ruhe und wie man diese Dinge in den Alltag integrieren kann muss jeder Mensch mitbringen, der hier etwas sucht. Diese Bedürfnis kann aber niemand von außen erzeugen. Dazu müsste man(n) missionieren, wozu diese Seiten aber nicht da sind und worin ich auch keinen Sinn sehe. Zudem gibt es hier keine Wahrheiten oder fertige Konzepte. Dafür aber klare Warnungen zu dem, was möglich ist.

Was den „Weg des Herzens angeht“ werde ich weiterhin Jack Kornfields Aussage bemühen, und mich weiter um das Gefühl der Freundlichkeit im Leben und damit im Alltag kümmern. Das ist kein Widerspruch zu vielen Dingen im Leben, die man als „typisch männlich“ titulieren möchte, macht aber sicher vieles menschlicher.

foto: erwinfurger / pixelio.de

8 thoughts on “Dem Weg des Herzens folgen – ein Männerthema?

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  2. Hmm, in mir wächst gerade die Lust einen Männerkurs anzubieten. Schaumermal, wie wir das auf die Reise bekommen. Es hat im Moment so viele Ideen und so wenig Ressourcen. Viele Grüße, Bernd

  3. Was „meditativen Yoga“ angeht, bin ich durchaus dafür, „Methoden anzupassen“, um mehr Männer anzuziehen – sie haben es ja nötig!

    Und es tut auch den Frauen gut, denn die männliche Neigung zu Struktur, Ziel, Disziplin und Gesetz gleicht die weibliche Orientierung auf Wohlbefinden und gute Beziehungen im Hier & Jetzt aus. Umgekehrt sorgt das weibliche Element dafür, dass der männliche Aspekt nicht vom Boden abhebt und zur hohlen Form mutiert – aber das Problem „zuwenig Frauen“ haben solche Yoga-Kurse ja eher nicht.

    Bei meinem Lehrer war die Verteilung tatsächlich meist 50:50 – trotz meditativem Yoga! (er hat in der Uni kostenlose Yoga-Stunden gegeben, von daher wechselten immer mal wieder welche in seine deutlich KLEINEREN Gruppen).

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  5. Moin zusammen. Das in der Bildungspolitik die Jungen vor allem im Primarbereich deutlich benachteiligt sind, steht für mich außer Frage. Vor allem im öffentlichen „Erziehungssystem“ sind hier fast nur Frauen zu finden. Das ändert sich erst in den weiterführenden Schulen. Hier finde ich auch, dass ein Ausgleich geschaffen werden muss.

    Bei Erwachsenen sehe ich es etwas anders, jedenfalls was ’spirituelles‘ Arbeiten angeht. In dem was Du, Claudia, anführst, sehe ich mich durchaus wieder. Ich habe mit Entspannung angefangen um Krankheit erträglicher zu machen bzw. sie zu überwinden. Also eine ganz klare Zielorientierung. Und ich sehe auch, dass bei bestimmten Stilen wie dem Zen der Männeranteil deutlich höher ist als etwa im meditativen Yoga.

    Wo ich mir nicht sicher bin ist die Frage, ob man daran gehen soll die Methoden zu ändern bzw. den männlichen Bedürfnissen „anzupassen“? Ok, vermutlich ist das alleine schon darum auf dem Weg, weil das Thema ausgesprochen und somit im Focus ist.

    Mal schauen, ob sich noch andere mit eigenen Sichten zum Thema melden.

    lg. Bernd

  6. Was man meint, wenn man von „den Männern“ (bzw. Frauen) schreibt, trifft tendenziell für 80% zu, nicht für alle (in dieser SCHÄTZUNG folge ich David Deida, der viel über Mann/Frau, Liebe, Sex und Beziehung schreibt).

    Insofern kann ich die Verwunderung des Lesers nachvollziehen. „Verinnerte“ Themen sprechen Männer erstmal nicht so an, solange sie nicht klaren Zielen dienen: Meditation und Entspannung zur Erlernung eines krankheitsvermeidenden „Stress-Managements“ kommt besser an als wenn sie als „Weg zum Erwachen“, zur Selbsterkenntnis oder ähnlich vermittelt wird.
    Spirituelle Lehrgebäude mit entsprechender Praxis gefallen Männern eher dann, wenn es HART ist (Leistungsaspekt!) oder auch intellektuelle Herausforderungen bietet – also eher ZEN als SatSang/Advaita.

    Dass Männer keine förderungswürdige Gruppe seien, sehe ich nicht so: kommt drauf an, in welcher Lage sie sich befinden.

    „Gender Mainstreaming bedeutet, dass alle politischen Maßnahmen und Gesetze ebenso wie Förderprogramme auf ihre Auswirkungen in Bezug auf die Geschlechter überprüft werden, um eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen. “

    Das ist aktuelle Europa-Politik und dabei gehts durchaus auch mal z.B. um sprachliche Förderung von Jungen, denen in bestimmten Phasen die Mädchen weit voraus sind.
    BENACHTEILIGT aufgrund ihres Geschlechts sind Männer auch, wenn es um häusliche Gewalt (von Seiten der Frauen) geht, wie auch um Vergewaltigung (durch andere Männer). Denn das Rollenbild erlaubt es nicht, den Mann als Opfer zu sehen.

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  8. das ist einmal mehr ein sehr gehaltvoller beitrag!
    ich denke schon dass es immer noch wenige männer gibt die so leben (können) weil mann sein doch oft auch mit vielen schemas, verwurzlungen und prägungen zu tun hat.
    Wers da schafft auszubrechen und das mann sein auf allen ebenen erleben kann und will der ist schon ein ganzes stück weiter als es der „normale“ mann ist.
    (Damit sag ich jetzt aber nicht dass alle andern nicht normal wären…smile)

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