Wie kann Gott das zulassen?

Eigentlich wollte ich gerade Schluss machen und zu Bett gehen. Da läuft über den Ticker die Meldung, dass es in Fukushima eine erneute Explosion gegeben hat. Radioaktivität ist ausgetreten. Das lässt mich jetzt nicht mehr ruhen. Die Nachrichtensender lassen weiter belanglose Reportagen laufen. Nur die ARD hat für 2:40 eine Sondersendung angesetzt. Das will ich noch abwarten und bis dahin mit den Menschen hoffen, beten und trauern. Und da kommt die Frage fast automatisch. Wie kann Gott das zulassen?

Eine Antwort habe ich im Moment nicht. Natürlich habe ich erstmal „im Internet“ nachgesehen. Manchmal findet man ja gute Gedanken, an die man anknüpfen kann. Oft finde ich die auf evangelisch.de. Nur diesmal nicht. Es gibt sogar einen Artikel von heute mit dem Titel „Fragen und Zweifel: Wie konnte Gott das zulassen?„. Wenn ich den Artikel überfliege lese ich Begriffe wie Theodizee?, Epikur, Leibnitz (was interessieren mich jetzt Jahreszahlen zu seinem Leben?), ein Erdbeben von 1700sonstwas, Kant (wieder mit Jahreszahlen). In mir sträubt sich alles. Für einen  Grundkurs in Philosophiegeschichte fehlen mir bei dieser Überschrift Geduld und Verständnis. Psalm 121 wird zitiert: „Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“ Ist mir der Satz: „Gerade angesichts von Katastrophen – wie etwa am 11. September 2001 bei den Terroranschlägen in den USA, dem Erdbeben in Haiti oder bei Tsunami-Katastrophen – spüren Menschen, dass sie ihr Leben nicht selbst in der Hand haben“ irgend eine Hilfe?

Nein, natürlich nicht. Weder irgend ein Philosoph noch scheinbare Gelehrsamkeit helfen bei der Frage und im Moment spricht auch der Psalm nicht zu mir. Und ich ärgere mich über meine Spitzfindigkeit angesichts der menschlichen Katastrophe und über meine eigene kleinkarierte Kritik an dem Artikel. Kann ich es nicht bei der Tatsache belassen, dass der Artikel nicht zu mir spricht?

Nein, kann ich offenbar nicht. Ich brauche gerade den Hausmeister Krause in mir um nicht zu verzweifeln.

Der Bericht hat begonnen. Es ist zwar noch spekulativ, aber es scheint sicher: Radioaktivität ist in größerem Maße ausgetreten. Die Katastrophe wird immer schlimmer und irgendwie fühle ich mich den Menschen in Trauer verbunden. Kann man überhaupt nachvollziehen, wie es ist jetzt im Katastrophengebiet zu sein?

Aber wenn ich den Bericht aus Fukushima jetzt höre: Gott kommt darin nicht vor. Menschen haben die Kraftwerke gebaut. Das Erdbeben ist eine Folge der Plattentektonik und der Tsunami wiederum eine Folge des Erdbebens. Das Austreten der Radioaktivität konnte passieren, weil es Kraftwerk, Erdbeben und Tsunami gegeben hat.

Ich brauche Gott nicht für die Erklärung, warum das alles passiert ist. Das beruhigt mich im Moment etwas. ER ist jedenfalls nicht „schuldig„. Es erklärt zwar auch nicht, warum er es zulässt. Mit diesem Wissen kann ich jetzt im Moment leben.

Vielleicht ist der Psalm noch die beste Idee. „Meine Hilfe kommt vom Herrn„. Der Satz spricht immer noch nicht zu mir. Aber ich kann ihn als Mantra mitnehmen. Ich möchte den Gedanken nicht mehr loslassen. Vielleicht begleitet er mich in den Schlaf. Vielleicht bringt dieser Satz mich der Frage näher.

Die Antwort kann noch warten. Es gibt für mich im Moment nicht mehr die Schuldfrage und darum ist es nicht mehr ganz so wichtig wie Gott das zulassen konnte. Ich muss mir die Frage jetzt nicht mehr beantworten.


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  2. Ich kann deine Trauer und Verzweifelung gut verstehen. Aber Gott trifft keine Schuld. Er hat uns das Geschenk des freien Willens gegeben.
    Er hat uns nicht dazu gezwungen Atomkraftwerke zu errichten, die Natur zu verschmutzen und Kriege zu kämpfen. Er hat uns diesen wunderbaren Planeten Erde gegeben, damit wir etwas lernen können uns einander verstehen und in Harmonie mit allen Lebewesen und der Natur leben.
    Wir müssen unsere Verantwortung erkennen und für diese Harmonie einstehen.

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