Was Notizbücher mit Meditationspraxis zu tun haben
13.09.2007 von Bernd Franzen
Seit einiger Zeit gehe ich mittwochs in eine Meditationsgruppe. Es wird nach den Vorgaben des Zazen meditiert. Die Praxis ist 20 Minuten sitzen, eine Runde gehen (kinhin), 20 Minuten sitzen, gehen, sitzen …
Wenn man wie ich aus dem Yoga kommend schon eine eigene Meditationspraxis hat, fällt einem die Strenge der Methode und ihre begrenzten Rituale schwer. Gerade in meiner Yogaschule ist der Körper immer Ausdruck der Seele und die Körper-Geist Beziehung findet in der Praxis große Beachtung. Jede Meditation wird eingeleitet durch körperliche Übung, Atmung, Versenkung, Erwartung – Meditation. Demgegenüber ist Zazen sehr streng, fast brutal. Hingehen, setzen, meditieren kommt sonst in meiner Praxis nicht vor.
Trotzdem genieße ich diese Meditationsstunde. Denn es ist wirklich etwas anderes, wenn man mit anderen Menschen zusammen nichts tut außer Meditation. Ich muss nicht anleiten, lehren und lernen wie in eigenen Stunden oder mich selbst zur Meditation überreden wie in der eigenen privaten Praxis. Und selbst der Strenge der Praxis kann ich mittlerweile etwas abgewinnen, denn es lenkt hier so wenig wie möglich ab.
Eine Marotte der eigenen Praxis leiste ich mir allerdings auch in der Meditationsstunde: Neben meiner Matte liegt immer auch ein kleines Notizblöckchen. Nur für den Fall, dass ich in der Meditation einen Einfall haben sollte. Passiert so etwas, dann bleibe ich nämlich an diesem Gedanken / Einfall / Idee haften – und ich komme nicht mehr zurück in die Mediation. Unterbreche ich aber, mache eine Notiz, ist der Gedanke abgegeben, ich kann ihn nicht mehr verlieren, bin beruhigt und kann zurück in die Meditation finden.
Ok, das ist nicht ganz Sinn der Übung und es zeigt nur mein Verhaftetsein, dass ich meine Krücken benötige. Damit muss ich leben.
Ohne Notizblock meditieren? Geht bestimmt … aber ich bin noch nicht so weit.
foto: keex / photocase.de
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Das ist ja irre – ein Notizblock!!! Und ja: was für eine Anhaftung an den eigenen, so wahnsinnig wertvollen Ideen!!! Ich kann dich da gut verstehen, hab’ schon oft versucht, mir im Alltag “den Notizblock anzugewöhnen”, weil ich bedauerlicherweise viel wieder vergesse. In einer Meditationsgruppe wär ich aber nicht auf den Gedanken gekommen… da folge ich dann doch der Weisung: wenn du merkst, dass da Gedanken sind, gehe einfach zurück zum Atem.. etc.
Schreibst du eigentlich tatsächlich was auf? Oder reicht schon das Dasein des Notizblocks?? Und sind die Ideen “besser” bzw. wirklich verwertbar, die da “zur Unzeit” kommen???
Ansonsten deckt sich deine Beschreibung mit meinem Erleben. “Mediation pur”, ohne zunächst den Körper “zur Ruhe zu bringen” finde ich krass und sehe nicht recht ein, warum man sich das heute antut. In den agrarischen Gesellschaften, in denen diese Praktiken ja entstanden sind, haben die Leute von früh bis spät körperlich geackert – auch in ZEN-Klöstern wurde gearbeitet, geputzt, der Garten bestellt, zudem wurden neben Arbeit und Meditation Kampfkünste geübt – klar dass die sich dann “einfach setzen” konnten!
Ich verstehe echt nicht, warum so viele westliche Meditationsinteressierte sich diese Fron antun! Der Körper meldet sich auf 1001-Art und das bedeutet Ablenkung, Ablenkung, Ablenkung… muss doch nicht sein, wenn man zuvor dafür sorgt, in einen entspannten Körperzustand zu kommen.
Für mich ist das ein sinnloses Festhalten an Traditionen aus einer anderen Kultur, die für uns echt nicht so gut passt.
Moin Claudia,
nur ganz am Anfang meiner eigenen Praxis, als ich einen Seminarleiterschein für Meditation gemacht habe und erstmals zu regelmäßiger ausgedehnter Praxis “gezwungen” war. Mittlerweile ist das Blöckchen eher Symbol und wird praktisch nur sehr selten benutzt. Allerdings oft nach einer Stunde.
Praktische Meditation ist bei mir der Versuch die Lücken zwischen den Gedanken zu finden. Oder aber auch die Gedanken auf einen einzigen Gegenstand zu konzentrieren.
Aber wenn eine Idee einmal Gegenstand in einer Meditation war, ist sie oft klarer. Und wenn es etwas ist, was praktisch umsetzbar ist, fasse ich die Dinge dann oft entschlossener an.
Um es etwas schnoddrig und auch möglicherweise überheblich klingend zu formulieren. Nach ausgedehnter Meditationspraxis (z.B. eine längere Schweigemeditation / Kurs / Wochenende) setzt oft eine Art Genialitätsschub ein. Das ist wie wenn Blockaden fallen. Im Kleinen passiert das auch nach ‘normalen’ Meditationssitzungen.
Was Zazen angeht. Es ist eine Methode und die Menschen, die es regelmäßig praktizieren kommen gut damit zurecht. Für mich ist es nicht die Methode der ersten Wahl, aber ich bin froh, die Gruppe hier in meiner Nähe zu haben, denn die Energie zusammen mit anderen zu meditieren schenkt einen deutlichen Schub. So bereichert das durchaus auch meine Praxis.
[...] Yoga ist kein Sport. Yoga kann kein Sport sein, denn dann wäre es kein Yoga mehr. Sport könnte höchstens zu Yoga gehören. So ähnlich ist mein persönliches Mantra mit dem ich jede Yogapraxis beginne und ich ärgere mich mal ungefragt und vorsorglich für den BDY (der Berufsverband) für diese journalistische Entgleisung und Degradierung des Yoga-Verbandes als Sportverein. Den Fakt dass 80% der Kursteilnehmer im Yoga Männer sind kann man so bestätigen, auch den Grundtenor, dass man Männer eher mit körperlich fordernden Yoga-Formen ‘ködern’ kann. Aber wie bringe ich das jetzt mit meiner persönlichen und subjektiven Beobachtung in Übereinstimmung, dass gerade im fast regungslosen Zazen, dem reinen Sitzen, eher mehr Männer als Frauen sitzen? Nun kenne ich Zen nur von zwei, drei Wochenendkurse und einen Meditaitonstreff hier vor Ort, kann es also nicht verallgemeinern. Hat da jemand einen besseren Überblick? [...]
[...] Es gibt auch Tage, da wirkt das Gedankenkarussel wie eine Lupe. Ein einzelner Gedanke, ein besonders Problem wird besonders deutlich und groß. Da merke ich, dass ich mit diesem Gedanken nicht in die Meditation einsteigen kann. Oft reicht es, diesen Gedanken kurz aufzuschreiben. Dann geht er nicht verloren. Hin und wieder aber bleibt das Problem und aus der Lupe wird ein Brennglas, dass alle Aufmerksamkeit auf genau dieses Problem lenkt. Dann bleibt es während der Sitzung eben im Zentrum. Dann ist vielleicht nicht das Ziel der Meditation erreicht, aber manchmal klärt sich so auch das Problem. [...]