Yoga als Religion aufgefasst?

Yoga steht immer in einen Spannungsfeld des Verständnisses. Ist Yoga eher so etwas wie Meditationsgymnastik mit Stretching-Effekt, eine Philosophie oder gar Medizin? Hat Yoga etwas mit Mystizismus zu tun? Oder ist eben Yoga eine Religion?

wolken-erleuchtungLetzterem Verständnis hängen offenbar Eltern mit verquerem Verständnis von Christentum an, die im kanadischen British Columbia ein Schulprogramm verhindert haben, das eigentlich dazu dienen sollte Kindheitsfettleibigkeit zu bekämpfen. Jetzt soll die Anmerkung zur Tickermeldung nur in zweiter Linie die Auswüchse aus meiner Sicht falsch verstanden „Christen“tums offenlegen. Aber es gibt einmal mehr Gelegenheit zu einer kurzen Reflexion über Yoga und Religion.

Yoga ist keine moralisch-religiöse Konstruktion, sondern ein System, welches durch fortschreitende Reinigung des Geistes und des physischen Körper die Voraussetzungen für innere Ruhe, Selbstdisziplin, Selbstverantwortung und Befreiung von psychosozialen Zwängen schafft. (Leopoldo Chariarse in „Wegweiser zur Quelle„).

Nicht mehr und weniger. Ich glaube allerdings, dass Leopoldo Chariarse nicht zufällig die Reinigung des Geistes vor den Körper gestellt hat – nur als Gegengewicht zur weitverbreiteten körperbetonten Auffassung. Yoga ist eine Methodensammlung mit zwar weitreichenden Möglichkeiten, aber eben keine Religion. Das finde ich tröstlich. Denn so kann ich als Christ Yoga zusammen mit allen Menschen praktizieren, die sich auf dieses System einlassen mögen. Und jeder behält sein eigenes Profil.

foto: R. Held / pixelquelle.de

13 replies on “Yoga als Religion aufgefasst?”

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  3. roswitha burchert on

    hallo, bernd,

    das neueste Angebot aus düüüüüsseldorf: „Yoga für Faule“. Mir dreht sich der Magen um. Was meint ihr dazu. Mir grauselte schon vom Angebot „Hormon-Yoga“. Aber es kam schlimmer. herzl. roswitha

  4. roswitha burchert on

    hallo bernd,

    danke für die nachricht, ich weiß, daß ich ihn nicht d i r e k t über diesen blog erreiche. wollte ich auch nicht.

    a bientot

  5. Bernd on

    Hallo Roswitha, Dir ist bewusst, dass Du Leopoldo nicht über dieses Blog erreichst?

  6. roswitha burchert on

    Lieber Leopoldo,

    vielleicht erinnerst Du Dich noch an Deine 1. Yoga-Lehrerausbildungsklasse? An die Bretagne etc.
    Habe die neuen Angebote von GGF erlesen. „Hormon-Yoga“. Was soll das? Yoga dient der Gesunderhaltung. Vielleicht errinnerst Du dich noch an Deinen Satz: Kranke gehören nicht in die Yogastunde. Entschuldige, aber ich bin froh, daß Du zu dieser Zeit noch das traditionelle Yoga gelehrt hast. mais ce la vie.

  7. roswitha burchert on

    hallo, bernd

    habe nach 27 jahren meine yogalehrer-tätigkeit vor 5 jahren beendet. für mich selbst ist yoga das „A und O“ des körpers und des geistes. yoga bedeutet disziplin im höchsten maße. leider wird yoga mit allen möglichen gymnastikübungen etc. vermischt.

    Aber……jeder bekommt den lehrer den er verdient.

    roswitha

  8. Hallo Roswitha, es kommt immer darauf an. Ich glaube den wenigsten ist klar, dass Yogapraxis eben deutlich mehr ist als ein paar körperliche Übungen. Die kann man tatsächlich „sanft“ gestalten und hier kann man sich auch in einer relativen Beliebigkeit verlieren. Gerade in den letzten Tage hatte ich wieder Anfragen bei denen ich mich des Gefühls nicht erwehren konnte, dass meine Hilfe als Physiotherapeut (der ich nicht bin) gefragt waren – „kennst Du nicht was gegen Verspannungen im Nacken?

    Gut, dagegen kennt die Yogapraxis tatsächlich „etwas“. Aber Yoga wird immer dann hart, wenn er beginnt Forderungen an Änderungen im Leben zu richten. Und das ist eben nicht mit ein wenig Gymnastik getan und auch nicht in einem VHS-Kurs oder beim Yoga-Workout im Fitness-Center zu vermitteln. Auch die Hochglanz-Yogastudios in den Innenstädten oder den Yoga-Ketten die ihre spirtuellen Light-Versionen wie Hamburgerbuden vermarkten bieten hier wenig. Da ist man schon darauf angewiesen, dass man Lehrer im besten Sinne der Upanishaden findet.

    Schön übrigens, was für Menschen Du kennen gelernt hast. Sie sind mir dem Namen nach mehr oder weniger gut geläufig. Van Lysebeths Pranayama-Buch „Die große Kraft des Atems“ liegt sogar gerade auf meinem Schreibtisch.

    Ich freue mich schon auf das kommende Jahr, in dem ich mir vorgenommen habe die eine oder andere Fortbildung vielleicht auch bei der GGF zu machen.

    Viele Grüße
    Bernd

  9. roswitha burchert on

    ich denke noch immer gerne an meine „yoga-lehrerausbildung“ bei leopoldo zurück. wir waren die ersten (1984?). es war zwar manchmal sehr chaotisch, aber trotz allem habe ich viel gelernt. denn durch diese ausbildung habe ich noch ganz viele andere yoga-lehrer kennengelernt – wie z. B. andre van lysebeth, belgien, dr. werner spiegelhoff, die mir beide sehr wichtig waren. auch denke ich noch sehr oft an antonio naim, florenz, von ihm habe ich viel gelernt – yoga im alltag. ich vermisse ihn sehr.

    besonders gerne erinnere ich mich an unsere gemeinsamen yoga-urlaube in der bretagne – roscoff -, wo ich und mein mann viele liebe freunde kennengelernt haben. u. a. otto klee, tübingen, ein ganz ganz lieber freund.

    ich habe immer yoga mit freude und zufriedenheit und ganz viel disziplin verbunden. und das ist es für mich auch heute noch. aber das wird heute in vielen schulen, kursen etc. nicht mehr gelehrt. es wird alles gemischt, rückenschule, zilgrei, pilates etc. leider wird nicht gelehrt, daß yoga eine harte disziplin und nicht für alle geeignet ist.

    roswitha burchert

  10. Noch ne Bemerkung:
    ich meine ja gar nicht, dass Yoga und Religion nichts miteinander zu tun haben. Yoga ist ein geistiger und spiritueller Übungsweg, der ursprünglich sicher mehr mit Religion zu tun hatte als mit Rückenbeschwerden.
    Nur „passiert“ das eben nicht automatisch, indem man ein paar asanas macht (fände ich persönlich höchst praktisch, bräuchte ich nicht jahrelang auf dem Sitzkissen zu dümpeln:-) – und schon fährt der „Heilige Geist“ in einen, oder – wie der TN wohl befürchtete, irgendein obskurer hindustischer Gott :-). Dazu braucht es doch etwas mehr Disziplin im regelmäßigen sitzen – und das alleine reicht ja auch lange nicht…

  11. Hmm … es gibt genügend Yoga-Formen, die den Verdacht nahelegen, dass Religion und Yoga nicht so weit auseinander liegen. Auch einige Institutionen wie Yoga Vidya oder verschiedene Kriya-Yoga Gruppen tun relativ wenig um diesen Verdacht zu zerstreuuen.

    Wie so oft sind die Grenzen fließend und hängen stark davon ab, wo man selber steht und ob man sich seines Standpunktes sicher ist.

    „Anstößig“ finde ich übrigens gut. Mit Nakt-Yoga und verschieden Tantra-Formen hätte man da gute Chancen den Fundametalchristen-Schocker aufzubauen. Aufgrund unserer heimischen Sozialstrukturen ist das aber ein wenig lohnendes Unterfangen. Der Unterhaltungswert ein paar Randgruppen verbal aufeinander zu hetzen ist dann doch zu gering 😉 Es würde wohl auch der Sache kaum dienlich sein.

    Leopoldo habe ich bisher leider nur einmal im letzten Jahr erlebt. Aber ich lese gerne in einigen Schriften der GGF und habe große Hochachtung vor dem, was dort aufgebaut wird. Wir haben zu wenig eigenständigen spirituell gründenen „westlichen“ Yoga, wie ich ihn hier zu sehen glaube.

    Liebe Grüße

    Bernd

  12. Ja, da erlebt man leider die dollsten Dinge.
    Da Yoga seit vielen Jahren in VHS und anderen Institutionen angeboten wird, von den Krankenkassen gefördert etc. bin ich auch nie auf die Idee gekommen, dass heutzutage irgend jemand Yoga noch „anstößig“ finden könnte.
    Aber einmal habe ich auch in einem Seminar vor vielen Jahren erlebt, dass ein Teilnehmer meine morgendlichen Yoga- Einstiegsübungen nicht mitmachen wollte, weil er Angst hatte, unbemerkt von östlichen Religionen infiltriert zu werden. Ich war leicht fassungslos: wie soll ihm was „passieren“, wenn er beim Einatmen den Arm hebt und beim Ausatmen wieder sinken lässt?????

    Dass du Leopoldo zitierst, finde ich ja auch nett, bei ihm (und anderen) habe ich ja meine Yogalehrerausbildung gemacht. Kennst du ihn auch??
    Liebe Grüße
    Zamyat

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