Kehre ins Herz zurück – und eine Entspannungsübung

hoehleWenn man sich um ein erfülltes Leben bemüht, stellt sich wohl bei fast allen Menschen eine Sehnsucht ein. Die Sehnsucht nach Rückzug, die sprichwörtliche Höhle in die man sich zurückziehen kann, ist wohl eine große Versuchung.

Bei Anthony de Mello fand ich folgende Geschichte:
Ein berühmter Guru sagte einmal einer Gruppe von Managern: „Wie der Fisch auf dem Trockenen stirbt, so werden sie sterben, wenn Sie im Irdischen verstrickt bleiben. Der Fisch muss wieder ins Wasser, dort kann er leben. Sie müssen in Ihr eigenes Herz zurück.“
Darauf erwiederten die Manager: „Wollen Sie damit sagen, wir sollen Geschäfte Geschäfte sein lassen und in ein Kloster gehen?“
„Nein, nein,“ gab der Guru zurück, „ich sage nicht, ins Kloster eintreten – gehen Sie ruhig weiter Ihren Geschäften nach, nur kehren Sie in Ihr Herz zurück.“
Anthony de Mello: Die Fesseln lösen. Einübung in ein erfülltes Leben. (Herder, 2006) p. 27

Wenn einem das Leben droht zu überrollen, wenn man glaubt, fremdbestimmt zu sein, scheint mir das eine wichtige Erinnerung. Denn oft genug kann man solche Situationen ja nicht so einfach beenden. Die Anforderungen kommen ja z.B. aus dem Beruf oder die Familie, alles Lebenssituationen, denen man nicht immer ausweichen kann – vielleicht letztlich und in aller Konsequenz auch gar will. Und trotzdem bleibt die Sehnsucht, dass alles hinter sich zu lassen und sich zurückzuziehen.

Die Kunst ist es, sich in solchen Situationen nicht zu verlieren. Wie es praktisch aussehen kann, dürfte von Mensch und Mensch sehr unterschiedlich sein. Aber das Ziel, ins eigene Herz zurückzukehren, kann man noch am ehesten mit einer Entspannungsübung nahe kommen. Eine Übung kann z.B. sein sich hinzusetzen, die Augen zu schließen und mit dem Körper Kontakt aufzunehmen. Spüren wo der Körper den Boden oder Stuhl berührt, wo die Hände sind, die Füsse. Spüren wo die Kleider den Körper berühren. Zwei, drei Minuten mit dieser Übung sollte schon reichen. Wer länger übt, macht nichts verkehrt, aber im Alltag reichen die zwei Minuten oft schon aus.

gelbe-gerberaGut, es ist nicht eigentlich eine Entspannungsübung, sondern vielmehr eine Achtsamkeitsübung, in der sich die gewünschte Entspannung einstellen kann. Aber solche Achtsamkeitsübungen sorgen dafür, dass man mit sich selbst in Kontakt bleibt. Anthony de Mello geht sogar noch weiter. Er sagt, dass man, wenn man diese oder ähnliche Übungen macht, lebendig wird und mit der Gegenwart in Berührung kommt.

Solche Übungen schulen beides, den Kontakt mit sich selbst und seinem Herzen und gleichzeitig helfen sie, den Überblick darüber zu behalten, was im Außen passiert.

fotos: sprisi, www.jenpix.de / pixelio.de


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  1. Hallo, diese Achtsamkeitsübung hilft mir auch in Situationen, in denen ich angespannt bin und unter Stress stehe. Nur muss ich es noch lernen, mir gerade in solchen Situationen konsequent auch die paar Minuten für diese Übung zu nehmen. Wenn ich das schaffe, geht es mir hinterher gleich wieder besser.

  2. Pingback:Erdung und Flow | Gesundheit in Hannover

  3. Vielen Dank für den schönen Artikel. Sich selbst zu spüren,sein Atem zufühlen, bringt mich ins hier und jetzt. Was gibt es schöneres.

  4. victor on

    ist mein kopf schon beim erwachen mit alltagskram und allen meinen verpflichtungen gefüllt, schliesse ich die augen, lege mich auf den rücken zurück, spüre des schlafes schwere im körper nach und lasse mir ein paar herzschläge und atemzüge lang zeit nochmals aufzuwachen. heute. hier und jetzt.
    an einem so begonnenen tag verlasse ich mein herz nicht.

  5. Danke für die schöne Geschichte und die „kleine Übung“. Sie wirkt fast zu einfach, doch mache ich das gelegentlich selbst und es wirkt tatsächlich!! Wer viel sitzt, bemerkt nebenbei dann auch, wenn Verspannungen, Nacken- oder Schulterschmerzen aufgetreten sind, die man im Geschäftigkeitswahn glatt ignoriert hat. Und tut etwa dagegen!

  6. Dein Beitrag gefällt mir gut. Ich mag de Mello gerne und finde die Achtsamkeitsübung klasse. Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende. Liebe Grüße

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