Das Ich in auf der Streichholzschachtel

Manches Mal sind es die relativ kleinen Dinge, die Freude machen. Am Wochenende war ich zu Einkehrtagen im Haus der Stille / Rengsdorf. Das passte ganz ausgezeichnet zu meinem persönlichen Fastenprojekt unter 7 Wochen ohne.

Eine der Übungen, die wir dort gemacht haben, war der Versuch eine Momentaufnahme der eigenen Situation zu machen. Zur Verfügung standen ganz viele Streichholzschachteln mit Bildern darauf aus denen man diese Momentaufnahme zusammenstellen konnte. Zunächst war ich mir in der Übung sehr unsicher. Vorgegebene Bilder finde ich immer schwierig. Erst als der Entschluss fest stand, dass es immer noch meine Interpretation eines Bildes ist, was für mich die Aussage ausmacht, ging es wie geschmiert. Und – tatatataaaa – hier ist das Ergebnis:

Das Ich aus Streichholzschachteln

foto: bf

Das Bild möchte ich an dieser Stelle nicht groß kommentieren. Wenn ich die selbe Aufgabe heute nach einem eher anstrengenden Arbeitstag hätte, wäre das Ergebnis sicher anders ausgefallen. Schön ist, dass diese Übung funktioniert. Und die Schachteln fordern geradezu heraus, ständig neue Konstellationen zu versuchen. Das Ich dargestellt durch die Streichholzschachteln ist wandelbar. Ein Griff und es wird neu. Ein Streichholz anders gelegt und die einzelnen Teile stehen in neuen Zusammenhängen. Die Schachteln anders angeordnet und schon bekommen sie andere Gewichtungen und eventuell auch neue Bedeutungen.

In vielen Yogastunden beschäftigt man sich in meiner Schule damit, wo man jetzt in diesem Moment steht. Selbstreflektion und Selbstwahrnehmung ist unabdingbarer Bestandteil des Yogaweges. Nur wenn ich mitbekomme, wo ich gerade stehe gewinne ich die Freiheit die im Yoga liegt. Insoweit ist der grundsätzliche Mechanismus Teil meiner regelmäßigen Praxis.

Wenn man sich in dieser speziellen Weise damit beschäftigt, merkt man erst, wie die Eigenwahrnehmung von der momentanen Stimmung und aktuellen Lebenszusammenhängen abhängt. Es hat etwas von Spielen mit Bauklötzen und ist sehr lehrreich.

Mir macht diese Erfahrung weiter Lust auf die Beschäftigung mit mir selber. Für dieses Blog ist das vielleicht schon etwas langweilig, aber es ist eben Bestandteil meines Fastens und die geneigte LeserIn (die eine oder den anderen gibt es ja gottseidank ) wird mir hoffentlich verzeihen. Es sind ja nur noch 5 Wochen 😉 … aber ich versuche auch wieder allgemeinere Themen zu finden.

2 thoughts on “Das Ich in auf der Streichholzschachtel

  1. Hi Bernd … aber nur, wenn man sich auch bewegen darf. Ansonsten stimme ich mit der Einschätzung des persönlichen Wohlbefindens am Wochenende sehr überein. Bibliolog ist allerdings jetzt nicht so meines – ich bin nicht so sehr der spontane Typ. Aber schlecht fand ich das auch nicht. Mal schauen, wo das mal in anderen Zusammenhängen zum Tragen kommt. Viele Grüße, Bernd.

  2. Bernd M on

    Jepp! Auch ich fand „das Spielen mit den Bauklötzen“ absolut verblüffend. Obwohl mir der Bibliolog irgendwie näher war, weil so schön spontan. Wie auch immer, ich habe mich selten an einem Wochenende so wohl gefühlt.
    Ach ja; bei aller Beschäfftigung damit „wo man steht“ sollte man natürlich „das Stehen“ nicht vergessen 😉

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